Junger Mann soll sprachlos bleiben

Alexander ist „buchstäblich“ auf die Technik angewiesen – ob im Alltag mit den Pflegekräften, bei der Arztvisite oder im Austausch mit der Mutter: Ein augengesteuerter Sprachcomputer unterstützt ihn bei jeder Kommunikation. Der 32-Jährige wurde mit acht Jahren bei einem Autounfall schwer verletzt. Seitdem ist er spastisch gelähmt und kann sich nicht mehr sprachlich äußern. Das Gerät hilft ihm, den Alltag zu meistern. Zwei eingebaute Kameras verfolgen seine Augenbewegung, mit der Alexander Buchstaben auf einem Monitor auswählt. Der Computer fügt die Buchstaben zu einem Satz zusammen und eine Sprachausgabe macht die Sätze schließlich für anderen Menschen hörbar. Dank dieser Technik kann der sprachbeeinträchtigte junge Mann seine Bedürfnisse mitteilen und seine Gefühle äußern.

Derzeit steht ihm das Gerät zwar zur Verfügung, jedoch ist unklar, wie lange er das Hilfsmittel noch nutzen können wird. Der Verein WIESO kämpft seit August 2014 mit diversen Anträgen und Widersprüchen für die Finanzierung. 13.500 Euro hat WIESO bereits gesammelt. Ein Gerät kostet 21.165 Euro. Somit fehlen noch rund 8.000 Euro. Der Verein konnte bislang keinen Träger dazu bewegen, sich an der Ausfinanzierung zu beteiligen. Die Pensionsversicherungsanstalt lehnt eine Kostenbeteiligung mit der Begründung ab, der junge Mann sei nie bei ihr versichert gewesen, da er nie einer Berufstätigkeit nachgegangen sei. Auch das Bundesministeriumservice sieht sich nicht in der Pflicht – Alexander lebe in einer Einrichtung, also müsse diese die Kosten tragen. Der Familienhärteausgleich begründet seine Absage mit der Tatsache, dass Alexander die Familienbeihilfe nicht selbst bezieht. Die Bezüge erhält seine als Sachwalterin eingesetzte Mutter. Diese ist selbst schwer krank. Sie kann ihren Beruf nicht mehr ausüben und ist deshalb auch nicht in der Lage, das Kommunikationshilfsmittel für ihren Sohn mitzufinanzieren. Licht ins Dunkel lehnt eine Unterstützung ebenfalls ab. Sie helfen ausschließlich Kindern und Jugendlichen, die noch zu Hause bei den Eltern leben.

WIESO ist über den Umgang staatlicher Stellen mit Menschen mit sprachlicher Beeinträchtigung empört. „Das verstößt unserer Meinung nach gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und stellt eine massive Diskriminierung dieses jungen Mannes dar. Die staatlichen Stellen in Österreich behandeln Menschen mit Behinderungen wie Menschen zweiter Klasse und gestehen ihnen nicht die notwendigen Hilfen und Hilfsmittel zu.“, so Andreas Peters, Schriftführer des Vereins. „Es ist beschämend, dass dieses reiche Land Milliarden für die Rettung von Banken hat, Behinderte aber, wie in diesem Fall, um ihre Hilfsmittel betteln müssen.“ Sein Fazit: „Das muss endlich aufhören, und dafür wird sich der Verein weiter einsetzen.“

Peters verspricht: „WIESO wird weiter an die Politik appellieren.“ Diese sei schon seit langem über die Missstände informiert. „Zwar wurde ein Nationaler Aktionsplan „Behinderung“ initiiert, die notwendigen Schritte zur Umsetzung folgten jedoch nicht. Bis jetzt hat sich in der Versorgung mit Hilfen, und insbesondere mit Kommunikationshilfsmitteln nichts geändert. Die Klienten müssen weiterhin darauf hoffen, dass ihnen diese freiwilligen Leistungen gewährt werden. Andernfalls sind sie immer wieder dazu gezwungen, als Bittsteller bei karitativen Organisationen um die notwendigen Mittel anzusuchen“, konstatiert Peters.

Alexander kann nicht verstehen, warum ihm ein Hilfsmittel verwehrt bleibt, das ihm das Leben um vieles einfacher machen würde. Seine Mutter empfindet es als Demütigung, um die Mittel zur Finanzierung „betteln“ zu müssen. Die Hoffnung beider ist es, dass die Politik sich endlich klar positioniert und die nötigen Gesetze und Verordnungen auf den Weg bringt.

Der Verein WIESO setzt sich für die Rechte von behinderten Menschen wie Alexander ein. WIESO kämpft beispielsweise seit 2011 um mehr Unterstützung für Menschen mit einer Sprachbehinderung. „Momentan“, so Peters, „ist unser wichtigstes Ziel, dass Alexander seinen Sprachcomputer behalten kann.“

Wer sich in Form von Spenden an der Hilfe für Alexander beteiligen möchte, kann dies auf das Konto von WIESO tun. Weitere Informationen zum Verein finden Sie hier: www.wieso.or.at

Spendenkonto WIESO

Sparkasse Schwanenstadt

IBAN: AT302032032100212459

BIC: ASPKAT2LXXX; ZVR: 013108075